20150119: Neuer Skoda Fabia Combi mit 75-PS-Benziner im Test

    • 20150119: Neuer Skoda Fabia Combi mit 75-PS-Benziner im Test


      Kombis, so möchte man meinen, sind völlig andere Autos als Kleinwagen. Sie bieten viel mehr Platz, werden nicht von urbanen Singles, sondern von Familienvätern gefahren, und dienen völlig anderen Bedürfnissen. Aber ist das wirklich immer so? Bei der neuen Generation des Fabia sind Zweifel erlaubt. Wenn man die am 24. Januar 2015 startende Kombi-Version mit der seit November 2014 verfügbaren Schrägheckvariante vergleicht, kommen einem zweieiige Zwillinge in den Sinn: Natürlich gibt es Unterschiede, aber auch eine Menge Gemeinsamkeiten.

      Viel Platz fürs Gepäck
      Gemeinsam haben Fabia und Fabia Combi den Vorderwagen und die generelle Optik, den Radstand, das Cockpit und den Großteil der Technik. Auch preislich ist nicht viel Unterschied: Nur 600 Euro mehr verlangt Skoda für den Gepäckspezialisten. Der Fabia Combi ist allerdings über 26 Zentimeter länger und der Kofferraum entsprechend größer: 530 bis 1.395 Liter passen hinein, spürbar mehr als in die Limousine, die 330 bis 1.150 Liter schafft. Wer also den Stauraum braucht, für den ist der Kombi zweifellos die bessere Wahl, selbst wenn das Parken in der Stadt schwerer wird.

      Nicht ohne Einlegeboden
      Was die Nutzung des Laderaums angeht, so bin ich beim ersten Blick ins Heck des Fabia Combi heftig enttäuscht. Eine etwa acht Zentimeter hohe Schwelle stört am Kofferraumeingang, eine etwa ebenso hohe Stufe ergibt sich durch die umgelegten Sitze. Dergleichen ist für einen Kombi ein No-go. Doch für 140 Euro gibt es einen Einlegeboden, der das Manko beheben soll. Ohne den würde ich das Auto schlicht nicht kaufen.

      Schicke Zierblende
      Der Platz im Fond ist wegen des identischen Radstands auf dem Niveau des normalen Fabia. Über dem Kopf fehlt einem nichts, der Raum vor den Knien ist etwas knapp. Das Cockpit ist typisch für den VW-Konzern, man findet sich zurecht, nichts stößt ab. Etwas ungewohnt ist allenfalls die Position des optionalen Motor-Start-Knopfes an der Lenksäule. Dafür fällt die bei meinem Testwagen verbaute Zierblende vor dem Beifahrer positiv auf: Sie besteht zwar nur aus Plastik, sieht aber täuschend echt nach gebürstetem Metall aus.

      Zurückrudern beim Infotainment
      In puncto Infotainment gibt es Neues zu vermelden: Hieß es bei der Vorstellung des normalen Fabia noch, dass ein Einbaunavi mangels Nachfrage nicht mehr angeboten wird, rudert Skoda jetzt zurück und macht das Amundsen-System für die gesamte Modellreihe verfügbar. Die Flottenkunden hätten sich ein solches Gerät anstelle der MirrorLink-Handynavigation gewünscht, so Skoda. Denn nicht jeder Fahrer besitzt ein dafür geeignetes Smartphone. Das kann man nachvollziehen. Aber selbst bei passendem Handy würde ich dankend verzichten und mir ein Mobil-Navi vom Elektronik-Fachmarkt holen. Schon dass die Profi-Helfer von Skoda so lange brauchen, um die Navigation anzuwerfen, schreckt ab. Dass man während der Navigation kein Autoradio hören kann, und dass die Abbiegehinweise zu spät kommen, sind weitere Schwachpunkte.

      Reichen 75 PS?
      Die Motoren im Fabia Combi sind die gleichen wie beim normalen Fabia, mit einer Ausnahme: Den 60-PS-Basisbenziner gibt es im Kombi nicht. Die meisten Fabia und Fabia Combi werden laut Skoda den 90-PS-TSI unter der Haube haben, doch den fuhr ich erst kürzlich in der Fabia Limousine. Deshalb wählte ich für meine Fahrt den 75-PS-Saugbenziner, der beim Combi das Einstiegsniveau markiert. Reichen 75 PS aus einem Ein-Liter-Motörchen für einen Kombi aus? Skepsis macht sich in mir breit.

      Von A nach B mit allem Gepäck
      Anfangs fahre ich durch die Stadt, und da fehlt mir nichts: Der wackere Dreizylinder bringt den Kleinkombi problemlos voran, ich fühle mich nicht untermotorisiert. Auch der Sound des Motors ist nicht störend – nur wer genau hinhört, bemerkt die leicht raue Gangart. Aber sobald es sacht bergauf geht, machen sich Schwierigkeiten bemerkbar, man fühlt sich des Öfteren vom Motor hängen gelassen. Auch das Datenblatt zeigt, dass der Wagen zu den "Von-A-nach-B-Autos" gehört: 14,9 Sekunden vergehen, bevor Tempo 100 erreicht werden. Auch für Autobahnraser ist der Motor ungeeignet, denn schon bei 175 km/h ist Schluss. All das aber ist bei der Limousine ähnlich. Denn der Kombi ist gerade mal 24 Kilo schwerer als die entsprechende Limousine.

      Berganfahr-Helfer nur gegen Aufpreis
      Wie alle anderen Motoren wird auch der 75-PS-Benziner an eine problemlose Fünfgang-Schaltung und eine Start-Stopp-Automatik gekoppelt. Ein Berganfahr-Assistent ist dagegen aufpreispflichtig – dieses 70-Euro-Extra sollte man sich gönnen. Lenkung und Fahrwerk sind im besten Sinne unauffällig: Hier stört nichts. Zum guten Gefühl in der Kurve tragen die Sitze bei, die guten Seitenhalt gewähren.

      Niedriger Normverbrauch
      Insgesamt ist der Fabia Combi 1.0 MPI etwas für Leute, denen es wichtiger ist, "alles rein zu kriegen", als möglichst schnell unterwegs zu sein. Der Normverbrauch ist allerdings niedrig. Skoda gibt ihn mit 4,8 Liter je 100 Kilometer an – übrigens auch hier unterscheiden sich Limousine und Kombi nicht. Nach der Ausfahrt zeigte der Bordcomputer wie üblich deutlich mehr an: 6,0 Liter.

      Empfehlung: 90-PS-TSI und Ambition-Ausstattung
      Wie den normalen Fabia gibt es auch den Combi in den drei Ausstattungen Active, Ambition und Style. Wer zeitgemäßen Komfort will, sollte Ambition wählen. Damit sind Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber vorne, elektrisch einstellbare Außenspiegel, Klimaanlage und ein USB-Radio an Bord, einen Tempomaten gibt es obendrauf. Dann sind mindestens 15.170 Euro zu zahlen. Wer auch zeitgemäße Beschleunigung möchte, sollte statt der gefahrenen 75-PS-Version einen 1.2 TSI mit 90 PS ordern. Damit verkürzt sich die Sprintzeit von steinzeitlichen 14,9 auf erträgliche 11,0 Sekunden, und der Preis steigt nur moderat – auf 16.420 Euro.

      Konkurrenz von Renault und Seat
      Die Konkurrenz liegt beim Preis ähnlich. So kostet ein Ibiza ST 1.4 mit 85 PS und Style-Ausstattung 16.380 Euro. Nachteile hier: Man bekommt zwar Alufelgen, muss aber für ein Audiosystem noch 500 Euro aufzahlen. Außerdem hat der 1,4-Liter-Saugbenziner des Seat einen deutlich höheren Normverbrauch (5,9 statt 4,8 Liter). Zeitgemäß motorisiert ist dagegen der Clio Grandtour mit 90 PS aus einem 900-Kubik-Turbobenziner. Ihn bekommt man in vergleichbarer Ausstattung ab 16.090 Euro. Er sieht vielleicht eine Idee schicker aus, hat aber einen kleineren Kofferraum.


      Quelle: auto-news.de/test/einzeltest/a…PS-Motor-im-Test_id_36294